Folge 2: Die erste Bohle

Morgennebel über dem Wald. Der gefällte Eichenstamm liegt auf dem Waldboden, ein Rotkehlchen sitzt darauf. Falko kommt mit einer Kettensäge.
KLINGENHOLZ · EINE GESCHICHTE IN FOLGENDie erste BohleFolge 2

Folge 1 endete mit einem Telefonat. Folge 2 beginnt mit einer Kettensäge.

Was Christoph am Telefon gesagt hat? Erst „Mhm.“ Dann eine Frage: „Wie lange muss so eine Eiche eigentlich trocknen?“

Morgengrauen im Nebel. Falko kniet neben dem liegenden Eichenstamm und baut eine Führung an seine Kettensäge, neben ihm liegt eine lange Schiene.

Darauf kommen wir noch. Erst einmal fährt Falko wieder in die Klinge. Früh, allein, mit einer Idee und einer Kettensäge.

Längs durch den Stamm.

Falko mit Gehörschutz führt die Kettensäge in einem Rahmen längs durch den dicken Stamm, Sägespäne fliegen, an der Stirnseite sieht man die Jahresringe.RRRÄÄÄNG

Die Säge läuft in einem Rahmen auf einer Schiene. Zentimeter für Zentimeter, Stunden für einen einzigen Schnitt. Späne bis zu den Knien.

Irgendwann ist er nicht mehr allein.

Ein Traktor zieht den Stamm mit einem Seil in Position. Zwei Männer stehen von hinten am Stamm, am Rand steht der Onkel mit verschränkten Armen neben einer Thermoskanne.

Einer am Steuer, zwei am Stamm, und einer, der zuschaut. Bei uns heißt das: Die Familie packt mit an.

Da liegt sie: die erste Bohle.

Eine frisch gesägte Eichenbohle liegt auf zwei Böcken, die Maserung ist deutlich zu sehen. Falko steht dahinter, vorn hält ein Eichhörnchen einen Holzspan.

Frisch gesägte Eiche duftet kräftig. Und irgendwer hat schon den ersten Span geklaut.

Und dann: warten.

Unter einem kleinen Dach liegen Bohlen gestapelt, dazwischen Leisten. Falko sitzt auf einem Hackklotz und schaut auf den Stapel, Herbstblätter fallen.

Die Antwort auf Christophs Frage: lange. Frische Eiche steckt voller Wasser und muss langsam trocknen, sonst reißt sie. Viel mehr Zeit, als Falko hatte.

Zum Üben nimmt Falko Holz, das schon trocken ist.

In einer hellen Werkstatt schiebt Falko mit Gehörschutz ein Stück trockenes Holz durch eine Tischkreissäge, daneben steht ein Handy mit einem Video.SSSIIIING

Die Eiche aus der Klinge soll erst dran, wenn er weiß, was er tut.

Kein Profi-Werkzeug. Nur Ausprobieren, Abschauen, Fragen.

Drei kleine Bilder: ein Handhobel auf einem Holzblock mit ausgerissener Kante, verleimte Klötzchen in Zwingen, ein Handy mit Video neben einem Notizzettel und einem Fragezeichen.RATSCH

Stirnholz ist störrisch: Beim Hobeln reißen die Kanten aus. Also wieder von vorn. Und noch mal.

Das erste Brett ist winzig. Und es kippelt.

Ein winziges Stirnholzbrett kippelt auf der Werkbank, daneben steht zweimal „kipp“. Falko schaut auf Augenhöhe über die Kante der Werkbank.

Aber diese Maserung! Ring an Ring, wie gemalt. Es konnte funktionieren.

Dann steht Christoph in der Tür. Er hat ein Auge für Holz, und er sagt, was er sieht.

Christoph steht in der offenen Werkstatttür, draußen ist Wald, und streckt die Hand aus. Vorn hält Falko ihm das kleine Brett hin.Schau mal.Kippelt. Gib mal her.

Er dreht das Brett, fährt mit dem Daumen über die Kante und schaut sich die Ringe an. Kritisch. Aber er gibt es nicht mehr her.

Dann kommt das Öl. Und mit dem Öl fangen die Ringe an zu leuchten.

Abends in der Werkstatt: Falkos Hand reibt Öl auf das kleine Brett, die geölte Hälfte leuchtet golden. Dahinter krempelt Christoph die Ärmel hoch, hält Schleifpapier und sagt: Wow.Wow.

Mehr sagt Christoph nicht. Er krempelt die Ärmel hoch und holt das Schleifpapier. Seitdem sind Schleifen und Ölen seine Sache.

Das erste Brett ist klein geblieben.

Der Onkel sitzt mit geschlossenen Augen am Tisch und legt die Hand auf das kleine geölte Brett. Daneben stehen eine Thermoskanne und zwei Becher.

Es liegt bis heute beim Onkel. Er sagt nicht viel dazu. Aber manchmal streicht er über die Ringe.

Und am alten Stumpf in der Klinge …

Nachts im Wald: Ein Rotkehlchen sitzt auf dem Stumpf der alten Eiche, davor ein Eichhörnchen. Am Himmel steht der Mond.Und unsere Eiche?Trocknet. Die hat Zeit.
Die Nacht am Stumpf der alten Eiche.Nahaufnahme: Das Rotkehlchen auf dem Stumpf der alten Eiche.Jetzt brauchen die beiden nur noch einen Namen.
Gezeichnet: Falko und Christoph von hinten im Frühlingswald, jeder mit einem Brett in der Hand.Foto: Falko und Christoph von hinten im Wald, in grünen Klingenholz-Shirts, jeder mit einem Brett in der Hand.

Aus dem kleinen Übungsbrett wurden viele. Heute bauen Falko und Christoph zu zweit.

Von der Klinge,
für die Klinge.

FORTSETZUNG FOLGTFolge 3: Die Taufe

Folgt uns auf Instagram, dann verpasst ihr keine Folge. Folge 1 verpasst? Hier geht es zum Sturm.

@KLINGENHOLZUNSERE BRETTER